Kerwa Zeitung 2001 der Ortsburschen Diespeck
 
 

Der Unfall

 

Aus der Sicht eines „Gaffers

  

Seit Freitag, den 13.07.2001 kennt man nun auch bundesweit das kleine, idyllische und verträumte Aischtaldörfchen namens Diespeck. Der Grund dafür war das enorme Medieninteresse – alle namhaften Vertreter der Branche wie BR 3, RTL, SAT 1, etc. waren anwesend – an einem Verkehrsunfall im Ort. Da das Geschehen selbst hinlänglich bekannt ist und in allen Medien zu sehen und nachzulesen war, wollen wir hier lieber einmal auf das „Drumherum“ näher eingehen – aus der Sicht eines unbescholtenen Bürgers und Beobachters.

 Morgens 7:15 Uhr in Deutschland esse ich normalerweise noch kein Knoppers, sondern höre den Polizeifunk ab. Die Alarmmeldung aus Diespeck wuchtete mich förmlich von meinem Hocker und ich begab mich unverzüglich zur Unfallstelle, an der ich nach wenigen Kilometern – leider erst nach dem Eintreffen der ersten Einsatzfahrzeuge – ankam. Dort bot sich mir ein Bild des Schreckens: Neben einem leicht lädierten LKW und unwesentlich in Mitleidenschaft gezogenen Häusern stach es mir wie ein Pfahl ins Auge – ein mit einer zentimeterdicken Staubschicht bedeckter Treppenaufgang zum benachbarten „Stupfelschneider“. Leider war durch den Lärm nachrückender Einsatzkräfte das Stöhnen des verletzten LKW-Fahrers nicht mehr zu vernehmen. Durch langjährige Erfahrung erkannte ich sofort, dass die Befreiung des Eingeklemmten längere Zeit in Anspruch nehmen wird und wollte mein entgangenes Frühstück (Knoppers? Anmerkung der Redaktion) in einer nahegelegenen Bäckerei nachholen. Leider war diese von jeglichem Verkaufspersonal entblößt.

 

 Da stellt sich doch die Frage, ob diese Frauen nichts besseres zu tun haben, als sich Schutt und Asche anzusehen und anständige Schaulustige in dieser Zeit verhungern zu lassen. Als ich frustriert und mit knurrendem Magen wieder an den Unfallort zurück kehrte, waren nicht nur die Rettungs-, sondern auch die Reinigungsarbeiten der Treppe zum „Dauerwellen-Waschsalon“ in vollem Gange, um den potentiellen Kunden mit den „polierten Billardkugeln“ unfallfreien Zugang zum wöchentlichen Staubwischen zu gewährleisten.

  

 Leider wurde ich durch die stetig steigende Zahl an Zuschauern nicht nur um meinen Beobachtungsplatz, sondern durch die fortschreitende Dauer der Arbeiten auch um mein Mittagessen gebracht. Auf der Suche nach verwertbarer Nahrung – rund um die Unfallstelle mangelte es bedauerlicherweise an Imbissbuden, Sitzgelegenheiten, Bierausschank und Souvenirläden – begab ich mich in Richtung Dettendorfer Straße, wo mich gottseidank ein ortsbekannter Fleischer mit den Worten „Metz, geh rei“ zu einem Imbiss einlud. Endlich gesättigt (warum hab ich nur mein Koppers vergessen?) bemerkte ich beim Verlassen des freundlichen FF-Chefs den mir bekannten „Markstein-Marshal“, der samt Enkelkind im Daimler auf geisterhafte Weise in der Dettendorfer Straße verschwand, um später in der Sandstr. (beim „Dino“) wieder auftauchte. Durch das Bild der Verwüstung sichtlich beeindruckt, verließ das Mitglied des „Schelln-7er-Clubs“ nach kurzer Zeit die Unfallstelle wieder – allerdings dummerweise ohne Enkelkind.

  

 

 

 

 

Nachdem der Fahrer befreit, die Häuser gestützt, die „Staffel“ gefegt und die Einsatzkräfte abgezogen waren, stand der Bub ohne “Opi“ da (Kevin allein in Diespeck = Teil 3 folgt demnächst im Kino). Glücklicherweise endet das wie im Kino mit einem Happy-End – „Opi“ hat’s noch rechtzeitig gemerkt und Bübchen wieder abgeholt.

 

 

 

Hier endet der Bericht unseres neutralen Beobachters. Bleibt nur noch die Frage nach der Unfallursache. Nach Befragung sämtlicher „Dorftratschen“ ist die folgende Ursache die Möglichkeit mit dem höchsten Wahrscheinlichkeitsgrad:

 Als der übermüdete Fahrer den beginnenden Schlaf mit einem Schnaps bekämpfte, sich dabei einen Kaffe kochte und das Radio einstellte, musste er einer Ölspur ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr. Durch den Schreck erlitt er einen Herzinfarkt, wobei ihm die Kaffeetasse aus der Hand fiel und unter den Bremspedal landetet. Beim verzweifelten Gegenlenken entglitt ihm das Handy und er verlor endgültig die Kontrolle über seine LKW. Dieser geriet auf den Bürgersteig, wobei an der Bordsteinkante der Reifen platzte und das Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit gegen die beiden Gebäude krachte. Leider konnte der Lenker des Lasters durch das durch den Unfall beschädigte Funkgerät selbst keine Hilfe mehr herbeirufen.

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